Der Plan war eigentlich gut

Veröffentlicht am 26. September 2026 um 14:57

 

Der Plan war eigentlich gut

Ich hatte einen Plan.

Das ist rückblickend meistens der Anfang meiner Probleme.

Nicht, weil meine Pläne schlecht wären. Im Gegenteil. Meine Pläne sind hervorragend.           Durchdacht, vernünftig und mit ausreichend Puffer für Eventualitäten versehen. Ich berücksichtige Dinge, die noch gar nicht passiert sind, und habe vorsichtshalber schon eine Lösung für Probleme, die vermutlich niemals eintreten werden.

Andere nennen das Overthinking.

Ich nenne es Vorbereitung.

Und Vorbereitung ist schließlich etwas Positives. ;-)

Zumindest so lange, bis das Leben dazukommt.


Das Leben hat nämlich eine bemerkenswerte Abneigung gegen meine Pläne.
Eigentlich wollte ich nur ein normales Leben
Ich glaube, mein ursprünglicher Lebensentwurf war gar nicht besonders außergewöhnlich.

Arbeiten.
Familie.
Ein Zuhause.
Freunde.
Urlaub.
Ein bisschen Sicherheit.

Und irgendwann dieses ominöse Gefühl:

So. Jetzt passt es.

Ich weiß nicht, wer mir eingeredet hat, dass dieser Moment existiert.

Vielleicht Werbung. ;-)

Dort stehen Menschen morgens ausgeschlafen in makellos weißen Küchen, trinken Kaffee aus Tassen ohne Sprung und schauen ihren Kindern liebevoll dabei zu, wie sie selbstständig frühstücken.

Niemand sucht eine Socke, fragt sich wie die Unterhosen der Kinder in die Spüle kommen.

Niemand schreit aus dem Badezimmer, dass er heute auf keinen Fall eine Hose anziehen wird.

Kein Hund bellt, weil draußen jemand die Unverschämtheit besitzt, am Haus vorbeizulaufen.

Und die Mutter?

Die lächelt.

Ich misstraue dieser Frau. Sehr sogar!!

Mein Morgen sieht anders aus.

Ich stehe in der Küche und versuche gleichzeitig herauszufinden, ob alle Kinder angezogen sind, wo irgendein Schulheft liegt, ob der Hund schon draußen war und warum ich eigentlich gerade den Kühlschrank geöffnet habe.

Ich wollte etwas.
Definitiv.

Ich stehe also vor dem offenen Kühlschrank und warte auf eine Eingebung.
Nichts.

Dafür fällt mir ein, dass ich noch eine Nachricht beantworten muss.
Ich schließe den Kühlschrank, nehme mein Handy, sehe eine andere Nachricht und beantworte diese. Die ursprüngliche vergesse ich natürlich.

Dann gehe ich ins Bad.
Dort fällt mir wieder ein, was ich aus dem Kühlschrank wollte.

So beginnt ungefähr die Hälfte meiner Tage.
Die andere Hälfte ist noch chaotischer.

und dann geht es weiter....


Ich kann das schon...

Es gibt einen Satz, der sich ziemlich zuverlässig durch mein Leben zieht:
„Ich mach das schon.“

Ein gefährlicher Satz.

Er klingt kompetent.

Und ich bin kompetent.

Das ist ja das Problem.

Wenn man Dinge einigermaßen gut hinbekommt, kommen Menschen irgendwann auf die völlig absurde Idee, dass man noch mehr Dinge gut hinbekommen könnte.

Und man selbst leider auch.

Kannst du das übernehmen?
Klar.

Kannst du kurz schauen?
Natürlich.

Hast du eine Idee?
Mehrere.

Kannst du helfen?
Ja.

Und ehe man sich versieht, trägt man fünf Einkaufstüten, drei emotionale Probleme anderer Menschen und irgendwo unter dem Arm noch ein Projekt, das ursprünglich überhaupt nicht das eigene war.

Dabei lächelt man und sagt:
„Passt schon.“

Passt schon ist übrigens die kleine Schwester von Ich kann nicht mehr.
Das wusste ich lange nicht.

Ich mag es, gebraucht zu werden.
Das gebe ich inzwischen zu.

Nicht auf diese dramatische Art, bei der ich möchte, dass ohne mich alles zusammenbricht.
Im Gegenteil.

Ich möchte, dass es funktioniert.
Dass Menschen sich wohlfühlen.
Dass Dinge gerecht laufen.
Dass jemand hinschaut.
Dass niemand untergeht.

Und wenn ich merke, dass etwas nicht stimmt, kann ich erstaunlich schlecht so tun, als hätte ich es nicht gesehen.

Das klingt zunächst nach einer sehr sympathischen Charaktereigenschaft.
Bis man mit mir zusammenarbeitet und sagt:

„Das haben wir schon immer so gemacht.“

 Uhhh.... Dann wird es schwierig.

Denn mein Gehirn hört diesen Satz und übersetzt ihn automatisch in:
„Melanie, bitte stelle mindestens sieben Rückfragen.“
Eine davon lautet garantiert:
„Ja, aber warum?“ Wo finde ich die Grundlage dazu?


Ich kann nichts dafür.

Na gut.

Ein bisschen schon.